Therapieplatzsuche - Fehler im System?

Warum psychisch Kranke lange warten müssen

28.03.2019

|

Allgemeines, Mitarbeiter, Studien/Reports

Die Wartezeiten für Therapieplätze sind weiterhin unerträglich lange, trotz der Reform, die 2018 angestoßen wurde. Viel zu lange für psychisch Erkrankte. Warum dies so ist und wie Abhilfe geschaffen werden kann erläutert der bekannte Psychiater und Autor Dr. Manfred Lütz auf Spiegel Online sowie Dr. Hansjörg Becker von INSITE.

Das Thema ist nicht neu - INSITE berichtet in seinen Blogartikeln regelmäßig über die langen Wartezeiten für Therapien bei Psychotherapeuten (siehe Therapieplatzsuche weiterhin schwierig). Nun gibt es einen Gastbeitrag hierzu auf spiegel.de1.

Manfred Lütz ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Chefarzt am Alexianer Krankenhaus in Köln. Er zeigt auf, wie das bestehende System die Behandlung von Menschen mit leichten Leiden fördert. "Die unzumutbare Wartezeit liegt an einem kaputten System, das die Behandlung von Gesunden fördert und die wirklich Kranken leer ausgehen lässt," so der Artikel.

Lebenskrisen oder schwere Erkrankung?

"Ich gebe Dr. Lütz vollkommen Recht," so Dr. Hansjörg Becker, Geschäftsführer von INSITE. "Wir haben hier ein schlecht funktionierendes System, das Menschen in allen möglichen Lebenslagen zu Behandlungsfällen macht. Lebens- oder Beziehungskrisen werden pathologisiert. Und auf der anderen Seite werden Behandlungsplätze für Menschen mit psychischen Erkrankungen blockiert."

In kritischen Lebenslagen, bei Beziehungs- oder Entwicklungskrisen, könne man den Betroffenen sehr gut und vor allem sehr schnell helfen: mit modernen, auf die Ressourcen der Menschen fokussierenden Beratungsmethoden. Diese werden u.a. in einem Employee Assistance Programm oder in der betrieblichen Sozialberatung eingesetzt. "Wenn Menschen Sorgen haben oder auch mal den Kopf hängen lassen, braucht man meistens keine Diagnose, sondern eine hilfsbereite und manchmal auch fachlich versierte Person. Professionelle Kurzzeitberatungen sind äußerst wirksam und bewähren sich im Alltag. Wir unterstützen durch unser Employee Assistance Programm jährlich tausende Menschen und deren Angehörige erfolgreich und wirkungsvoll," erläutert Dr. Becker.

Und dann bleiben Therapieplätze - die ausgelegt sind auf eine längerfristige Behandlung - frei für z.B. an Depression Erkrankte.

Arbeitsunfähigkeitstage steigen

Fest steht, dass die Anzahl der schweren psychischen Erkrankungen nicht weiter zugenommen hat. Allerdings steigen die Arbeitsunfähigkeitstage: Diese Zahl hat sich seit 2007 verdoppelt2. Sofern sich am System nichts ändert, bleiben die Wartezeiten wohl unverändert lange.

 

 

Quellen:

1 http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/psychotherapie-wie-ein-lobbyverband-psychisch-kranken-schadet-a-1259159.html

2 https://www.zeit.de/news/2019-03/26/bericht-zahl-der-krankentage-wegenpsychischer-problemeseit-2007verdoppelt-20190326-doc-1f28do

Foto: Ben White / Unsplash