Computerspiele machen süchtig

WHO erkennt Computer-Spielsucht offiziell an

20.08.2018

|

Allgemeines

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat offiziell die Sucht nach Computerspielen als eigenständige Diagnose anerkannt. Dies klingt zunächst revolutionär. Die WHO betont allerdings, dass es eine klare Abgrenzung zu "allgemeinem Spielverhalten" gibt und schätzt, dass relativ wenige Menschen tatsächlich von dieser Sucht betroffen sind. Was also heißt "Spielsucht"?

Die sogenannte "Gaming Disorder", also Sucht nach Computerspielen (online oder offline) trifft dann zu, wenn das Spielverhalten das Leben des Betroffenen so stark dominiert, dass der Alltag, das allgemeine Sozialverhalten oder aber die Ausübung des Berufes darunter leiden. Derjenige habe dann keine Kontrolle mehr über sein Spielverhalten, so die WHO.

Wann ist man süchtig?

Von einer Suchterkrankung nach ICD (International Classification of Diseases) wird gesprochen, wenn von diesen folgenden Aussagen drei zutreffen:

  • Suchtverlangen
  • Kontrollverlust
  • Suchtmittelkonsum bewirkt Entzugslinderung
  • Fehlendes Suchtmittel führt zu körperlichen Entzugserscheinungen
  • Toleranzentwicklung
  • Suchtverhalten, d. h. Konsum findet zu jeder Zeit, ohne Anlass, außerhalb der gesellschaftlichen Normen statt
  • Suchtmittelkonsum wird zum Lebensmittelpunkt
  • Folgeschäden, d. h. körperlicher Abbau und sozialer Abstieg

Eine Suchterkrankung basiert auf einer Fehlsteuerung des Belohnungssystems im Gehirn. Es ist keine Charakterschwäche, sondern eine Krankheit, die im Gehirn nachgewiesen werden kann.

Sucht oder nicht?

Gerade Eltern machen sich häufig Sorgen, dass ihre Kinder spielsüchtig sind. Die WHO empfiehlt, dass Eltern das Spielverhalten gegenüber dem sonstigen Verhalten einsortieren sollten, d.h. schauen, welche anderen Hobbies das Kind noch hat, ob es seiner Rolle als Familienmitglied weiterhin nachkommt, Freunde trifft oder aber in der Schule weiterhin gut mitkommt.

Die WHO betont, dass das Spielen von Computerspielen nicht gleichbedeutend ist mit Spielsucht. Diese Diagnose könnten nur speziell geschulte Ärzte geben. Allerdings warnt sie auch bei nicht süchtigen Computerspielern vor negativen Konsequenzen, wie Störung des Schlafrhythmus, fehlende körperliche Fitness oder erhöhtem Stresswert.

Das Spielen an PC oder mobilen Geräten hat aber auch positive Einflüsse: so können je nach Spiel die Koordinierung von Hand/Auge sowie das räumliche Vorstellungsvermögen und strategische Denkweise geschult werden. Wie so oft ist hier ein guter Mittelweg sinnvoll.

Hilfe für Süchtige

Die WHO erhofft sich mit der Neuklassifizierung, dass Betroffenen schneller und effizienter geholfen wird. Allein die Diagnose, so die WHO, kann bereits dabei helfen, besser mit der Situation umzugehen. Weiterhin sei damit die Unterstützung für Forschungsprojekte und die Ausarbeitung von präventiven Maßnahmen einfacher.

Auch wenn die Einstufung der WHO nicht direkt zu einer Veränderung der Situation führt, so trägt sie doch hoffentlich dazu bei, dass sich das Verständnis von Sucht und abhängigem Verhalten verbessert.

Was passiert in der EAP-Beratung?

An die Externe Mitarbeiterberatung können sich sowohl Betroffene, als auch Angehörige und Freunde von Betroffenen wenden. Gerade diese wissen oftmals nicht, wie sie sich verhalten können, um die Sucht nicht noch - bewusst oder unbewusst - zu unterstützen.