Chancen und Risiken von ortsflexiblem Arbeiten

Veränderte Arbeitsbedingungen verlangen von Arbeitnehmern immer mehr Flexibilität

14.09.2018

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Studien/Reports

Die sich veränderten Arbeitsbedingungen verlangen von Arbeitnehmern immer mehr Flexibilität. Dies kann eine stärkere Trennung von Wohn- und Arbeitsort bedeuten - für viele eine Herausforderung. Diesem Thema hat sich die BAUA in einem aktuellen Bericht gewidmet. Lesen Sie hier welche gesundheitlichen Chancen und Risiken auftreten können.

Arbeiten 4.0

Durch den Fortschritt der Informations- und Kommunikationstechnologien können in zahlreichen unternehmensbezogenen Tätigkeitsbereichen sowohl Arbeitsgegenstand, Arbeitsmittel und Arbeitsprozess digitalisiert werden, sodass ortflexibles Arbeiten erst möglich wird - und auch zunimmt. Ausgestattet mit dem passenden Endgerät (Laptop, Smartphone, etc.) kann der „Wissensarbeiter“ von heute überall auf der ganzen Welt arbeiten. Aber wie positiv ist diese Entwicklung tatsächlich und welche gesundheitlichen Nachteile bringt sie mit sich?

Ortsflexibles Arbeiten

Unter ortsflexiblem Arbeiten werden unterschiedliche Mobilitätsformen verstanden.

Berufsassoziierte Mobilität beschreibt die räumliche Distanz zwischen Wohn- und Arbeitsort, liegt in Verantwortung der Einzelperson und ist nur bedingt durch betriebliche Maßnahmen beeinflussbar. Formen hiervon sind vorübergehende oder dauerhafte Umzüge sowie Pendeln zwischen Wohnsitz und Arbeitsstätte.

Berufsbedingte Mobilität hingegen wird als Bestandteil der Arbeitsaufgabe verstanden und ist durch betriebliche Maßnahmen veränderbar. Unterschieden wird hier zwischen Businesstrips bzw. Dienstreisen und mobiler Arbeit wie z.B. bei Busfahrern, Flugpersonal oder ambulanten Diensten.

Als eine Mischform des ortsflexiblen Arbeitens kann Homeoffice genannt werden. Eine Arbeitsform die in bestimmten Branchen zunimmt und auch durch den Arbeitgeber gefördert wird.

Welche Risiken treten auf?

Pendler

Bei Pendlern steigt naturgemäß die zeitliche Belastung. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Tagespendler häufiger mit Allgemeinbeschwerden, psychosomatischen Beschwerden, einem geringeren Wohlbefinden sowie stärkerer Unzufriedenheit belastet sind als Nichtpendler. Personen, die wöchentlich pendeln erleben höhere psychosoziale Belastungen für die gesamte Familie, da sich das Familienleben durch die räumliche Trennung auf das Wochenende fokussiert. Die gemeinsame Zeit wird konzentrierter erlebt und es muss mehr koordiniert werden. Bei Schichtarbeitern die pendeln erhöhen sich im Vergleich zu Pendlern ohne Schichtarbeit Herzprobleme, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schlaflosigkeit.

Vor allem bei Fernpendlern treten häufiger psychosomatische Beschwerden, krankheitsbedingte Fehltage und ein höheres Unfallrisiko auf als bei Nichtpendlern.

Ortsflexibles Arbeiten als Teil der Arbeitstätigkeit

Mit Businesstrips gehen oft vielfältige physische und psychosoziale Belastungen einher. Die Beschwerden reichen von Schlafstörungen, Magen-Darm-Problemen, Stimmungsschwankungen, Infektionen, reduzierter Konzentrationsfähigkeit bis hin zu Ohren- oder Rückenschmerzen. Im Vergleich zu Nichtreisenden erkranken Reisende zwei- bis dreifach häufiger an psychischen Erkrankungen. Verursacht werden negative gesundheitliche Auswirkungen durch verschiedenste Faktoren wie z.B. Arbeitsverdichtungen und ständige Erreichbarkeit während der Dienstreise.

Homeoffice

Homeoffice birgt das Risiko, dass soziale Kontakte vernachlässigt werden und kann zu einer erhöhten arbeitsbedingten Erschöpfung führen, da durch das Arbeiten von Zuhause die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen und so das notwendige Abschalten von der Arbeit erschwert wird.

Chancen

Aber es gibt nicht nur Risiken, sondern viele sehen ortsflexibles Arbeiten auch als einen positiven Faktor.

Pendler

Als wichtigsten Vorteil sehen Wochenpendler die Möglichkeiten einen attraktiven Arbeitsplatz zu haben und die Möglichkeit, sich vollständig auf die Arbeit konzentrieren zu können. Auch wird die klare räumliche Trennung zwischen Arbeit und Familie als wertvoll wahrgenommen, insbesondere von Frauen, denn Mobilität begünstigt eine gerechtere Aufgabenteilung zwischen den am Haushalt Beteiligten.

Weitere Vorteile sind der Zugewinn an persönlichen Freiräumen, bewussterer Umgang mit gemeinsamer Zeit, verbesserte Kommunikation und weniger Streitigkeiten.

Das Privatleben kann aufgrund berufsassoziierter Pendelmobilität also durchaus positiv beeinflusst werden und folglich zur Work-Life-Balance beitragen.

Ortsflexibles Arbeiten als Teil der Arbeitstätigkeit

Als positiver Nutzen von Businesstrips werden die Möglichkeit zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und die Entstehung neuer Ideen durch neue Orte, Sichtweisen und Kulturen genannt. Beschäftigte, die mobile Arbeit ausführen, fühlen sich selbstbestimmter und freier, verfügen über mehr Gestaltungsmöglichkeiten und schätzen die Abwechselung und Aufgabenvielfalt.

Homeoffice

Klare Vorteile von Homeoffice sind die Verringerung von Work-Family-Konflikten, ein höheres Autonomieempfinden der Beschäftigten und der Wegfall von Pendelzeiten.

Abhängig von eigenen Ressourcen und Einstellungen

Ob ein Mitarbeiter ortsflexibles Arbeiten als Chance oder Risiko empfindet hängt stark von der Möglichkeit der eigenen Steuerbarkeit ab. Für Pendler sind z.B. Vorhersehbarkeit und Planbarkeit der Fahrdauer entscheidende Einflussfaktoren für ihr Stressempfinden.

Der Arbeitgeber kann die belastenden Faktoren teilweise nur bedingt mindern. Bei hohem Verkehrsaufkommen und Verspätungen von öffentlichen Verkehrsmitteln wird beispielsweise die Möglichkeit den Arbeitsbeginn flexibel zu gestalten, als wichtige Ressource wahrgenommen und trägt damit dazu bei, dass Pendeln nicht immer als belastend empfunden wird.

Unterstützung durch EAP-Beratung

Nicht immer kann sich ein Arbeitnehmer aussuchen, ob er ortsflexibel arbeiten möchte. Und damit hat er die Belastung nur bedingt in der eigenen Steuerung.

Als wichtigstes Kriterium lässt sich sagen, dass die persönliche Situation und die Möglichkeit, das Privatleben an den Gegebenheiten auszurichten stark dazu beitragen, ob ortsflexibles Arbeiten als Chance oder Risiko wahrgenommen wird.

Aber auch die eigenen Ressourcen tragen einen elementaren Anteil dazu bei. Bei Pendlern haben beispielsweise die Fähigkeit zum eigenen Zeitmanagement und der eigenen Zeitbewusstheit einen starken Einfluss auf das Stresserleben.

In der EAP-Beratung kann auf schwierige Rahmenbedingungen eingegangen werden. Hier hilft manchmal der Blick von einem Außenstehenden um Ressourcen und Möglichkeiten zu schaffen, mit der eigenen Situation besser umzugehen.

Den Beschäftigten unserer Kundenunternehmen steht die externe Mitarbeiterberatung kostenfrei zur Verfügung.

 

In Kürze gehen wir in einem weiteren Blogbeitrag auf das Thema zeitflexibles Arbeiten sowie dessen Chancen und Risiken ein.

 

 

Quelle:
https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Berichte/Gd92.pdf?__blob=publicationFile&v=16