WHO nimmt Burnout erstmals als Syndrom auf

Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz

25.06.2019

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Allgemeines, Studien/Reports

Ende Mai hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum ersten Mal Burnout in ihre "Internationale Klassifikation der Krankheiten" aufgenommen. Hierbei wird betont, dass es sich um ein Berufsphänomen handelt, nicht um eine Krankheit.

Die ICD ist die internationale statis­tische Klassifikation von Krankheiten. Hier sind derzeit 55.000 Krankheiten, Symptome und Verletzungsursachen sowie Störungen gelistet. Diese werden immer wieder aktualisiert. Beispielsweise wurden Video- oder Onlinespielsucht offiziell anerkannt und in den Katalog mit aufgenommen.

Im Mai 2019 hat die WHO nun Burnout als Syndrom in den Katalog der ICD-11 aufgenommen und wie folgt definiert:

Burnout ist ein Syndrom, das als Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz auftritt und nicht erfolgreich bewältigt wurde. Es zeichnet sich durch drei Dimensionen aus:
1) Gefühle von Erschöpfung;
2) eine zunehmende geistige Distanz zum Arbeitsplatz oder Gefühle von Negativität oder Zynismus im Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz; und
3) reduzierte berufliche Leistungsfähigkeit.

Hierbei wird betont, dass sich Burnout speziell auf Phänomene im beruflichen Kontext bezieht und nicht zur Beschreibung von Erfahrungen in anderen Lebensbereichen verwendet werden sollte.

Welche Folgen hat dies?

"Für unsere Klienten und unsere Beratung ändert sich durch die Aufnahme des Begriffes Burnout als Syndrom ins ICD-11 wenig." so Dr. Morten Kaletsch, Psychologe und Berater bei INSITE. "Burnout ist ein Erschöpfungszustand durch den die Leistungsfähigkeit sinkt und meist mit einer wachsenden Distanz zum Arbeitsplatz einhergeht. Burnout selbst ist aber keine Krankheit, sondern eher ein Zustand, der eine psychische Krankheit, wie Depression, nach sich ziehen kann, weshalb es gut ist Anzeichen ernst zu nehmen."

Unterstützung durch EAP

In der EAP-Beratung wird gemeinsam geschaut, was den Mitarbeiter erschöpft hat und was er selber schon unternommen hat, um wieder zu Kräften zu kommen.

"Dann erarbeiten wir gemeinsam nächste Schritte. Häufig führt der Weg zurück an den Arbeitsplatz über eine Auszeit, wobei ich nicht zwei Wochen Urlaub meine." erläutert Morten Kaletsch. "Gut ist es, wenn der Betroffene die Auszeit nutzt, um für sich zu klären, wie er in die Situation hereingeraten ist und wie er sich aufstellen will, damit er zukünftig bei Kräften bleibt."

Sich in solch einem Fall Unterstützung zu holen ist ratsam. Das kann durch eine EAP-Beratung, ein Coaching oder aber in einer Reha-Maßnahme oder amublanten Therapie erfolgen. "Sollte man bei sich selbst Anzeichen von Erschöpfung feststellen, empfehle ich immer den Austausch mit einem Experten zu suchen. Diese Zeit ist besser investiert als jede weitere Überstunde!"

 

Hinweis:
Zu Beginn wurde darüber berichtet, dass die WHO Burnout als Krankheit anerkannt hat, dies wurde nach Hinweis der WHO korrigiert.

 

Quellen:
https://icd.who.int/browse11/l-m/en#/http%3a%2f%2fid.who.int%2ficd%2fentity%2f129180281
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/103394/Weltgesundheitsversammlung-beschliesst-die-ICD-11