BKK Gesundheitsreport - Psychische Gesundheit und Arbeit

Fehltage in letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt

11.02.2020

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Studien/Reports

Der BKK Gesundheitsreport fokussiert auf "Psychische Gesundheit und Arbeit". Mehr als jeder 20. Fall der Arbeitsunfähigkeit (AU) und fast jeder 6. AU-Tag geht auf das Konto von psychischen Erkrankungen, allerdings ist die Zahl der Erkrankten nicht gestiegen. Wie passt das zusammen? Und macht Arbeit wirklich krank?

Diese hier genannten Zahlen lassen vermuten, dass uns Arbeit krank macht. Das mag teilweise stimmen, andererseits hält sie uns aber auch gesund. Denn wenn Menschen in keinem Beschäftigungsverhältnis stehen, dann werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit krank.

Arbeit kann sich also sehr wohl positiv auf die Gesundheit auswirkten, wenn sie auch so gestaltet wird, z.B. wenn Menschen die Möglichkeit haben, diese als Entfaltung ihrer Persönlichkeit anzusehen.

Den Ausschlag, ob Arbeit gesund oder krank macht, machen hier wohl die Bedingungen.

 

Steigende Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen

Seit Jahren steigen die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen kontinuierlich an. Sie haben sich in den letzten 10 Jahren sogar mehr als verdoppelt. Gleichzeitig hat sich die Anzahl der Erkrankten nicht verändert. Wie passt dies zusammen?


Grund hierfür sind mehrere Faktoren. Einerseits verfügt man heute über wesentlich mehr Informationen rund um psychische Erkrankungen und ist sicherer in der Diagnostik. Weiterhin werden die Diagnosen oft entsprechend klarer verfasst, da das Stigma sich abgeschwächt hat. Wo früher die Symptome standen – Migräne, Kopfschmerzen, Unwohlsein - wird heute das dahinterstehende Krankheitsbild diagnostiziert.

Die wichtigsten psychischen Erkrankungen

Zu den drei Krankheitsarten, die die Fehlzeiten in diesem Spektrum dominieren, zählen:

  • Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen, d.h. Zwänge, Ängste und Belastungsstörungen aufgrund von Traumata oder Lebenskrisen
  • Affektiven Störungen, wie beispielsweise Depressionen
  • Substanzinduzierte Störungen, vor allem Alkohol

Alleine die ersten beiden sind für über 90 % aller Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen verantwortlich.

Krankheitsdauer

Interessant ist weiterhin, dass die meisten aller AU-Fälle, nämlich ca. zwei Drittel, maximal eine Kalenderwoche dauern. Hierbei handelt es sich beispielsweise um Atemwegserkrankungen.
Über 4 % der Fälle sind dagegen mehr als 6 Wochen krank und sind somit für über 40 % aller AU-Tage der Beschäftigten verantwortlich. Häufig sind dies psychisch bedingte Erkrankungen, die oftmals langfristige Ausfallzeiten nach sich ziehen.

 

Gesundheit ist Führungsaufgabe

Nicht nur die BKK stellt heraus, dass Gesundheit bewusst zum Teil der Führungsaufgabe gemacht werden muss. Die Führungskräfte sollten sich ausreichend um ihre Mitarbeiter kümmern, auftretende Veränderungen frühzeitig erkennen und die Förderung der Gesundheit in den Fokus stellen.
Als wichtigstes Instrument wird hier das "Hinsehen, Ansprechen und Erkennen" genannt. Denn gerade im Arbeitskontext lassen sich Veränderungen und mögliche psychische Belastungen gut beobachten. Auffälligkeiten sind, dass öfter Fehler passieren, der Mitarbeiter sich zurückzieht, weniger gepflegt erscheint, stärker emotional agiert und offensichtlich mit seinen Gedanken woanders ist.

Häufen sich diese Anzeichen über einen längeren Zeitraum, sollte man als Führungskraft dies ansprechen und nachfragen, ob es einen Grund hierfür gibt.

Unterstützung durch das EAP

Vielen Führungskräften fällt dies jedoch schwer, da sie Hemmungen haben und glauben, sich damit in das Privatleben ihrer Beschäftigten einzumischen. Die EAP-Beratung bietet besonders Führungskräften und Funktionsträgern Unterstützung dabei, mögliche Symptome zu erkennen und bereitet auf das Gespräch vor.

Auch bei der Unterstützung von Facharztterminen oder Therapieplätzen kann ein EAP unterstützen und somit auf die Dauer der Krankschreibung entsprechend positiv einwirken.

 

Quelle:
https://www.bkk-dachverband.de/publikationen/bkk-gesundheitsreport.html

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