Psychische Gewalt in Partnerschaften

Eine Frau sitzt traurig auf dem Boden, das Gesicht auf ihrer Hand abgestützt


Gewalt geht uns alle an

Eine aktuelle Dunkelfeldstudie von LeSuBiA hat folgendes Ergebnis aufgezeigt:

„Psychische Gewalt in einer (Ex-)Partnerschaft erlebten knapp die Hälfte der Frauen (48,7 Prozent) und 40,0 Prozent der Männer mindestens einmal in ihrem Leben. Emotionale Gewalt macht dabei mit 37,8 Prozent den größten Teil der in LeSuBiA erfassten psychischen Gewaltformen aus. Obwohl Frauen über ihr gesamtes Leben stärker betroffen sind, zeigt die Betrachtung der letzten fünf Jahre, dass auch Männer vergleichsweise häufig von psychischer Gewalt (Männer: 23,3 Prozent; Frauen: 23,8 Prozent) und insbesondere von kontrollierender Gewalt (Männer: 8,7 Prozent; Frauen: 7,1 Prozent) betroffen sind.“ (BMI, 2026*)

(Pressemitteilung erschienen am 10.02.2026)


Gewalterfahrungen zeigen sich in verschiedenen Ausprägungen: Sie reichen von psychischer und physischer Gewalt über sexualisierte Übergriffe bis hin zu ökonomischer Kontrolle. Menschen jeden Alters und Geschlechts sind betroffen, unabhängig vom Beziehungsgrad. 

Trotz dieser dramatischen Zahlen haftet dem Thema immer noch ein Tabu an. Gewalt in Partnerschaften allgemein und damit verbunden auch „psychische Gewalt“ braucht mehr Sichtbarkeit in unserer Gesellschaft. 

Es bedarf einer kontinuierlichen Sensibilisierung für das Thema. Denn Betroffene sind häufig von Stigmatisierung betroffen und sozial isoliert.

Psychische Gewalt wird häufig nicht als solche wahrgenommen, was auf verbreitete gesellschaftliche Bewertungen und einen Mangel an gesellschaftlicher Aufklärung zurückzuführen ist.

Die Herausforderung für das jeweilige Umfeld ist es auch zu erkennen, wann es sich um schlechtes Benehmen und wann um Gewalt handelt.


Folgende Facetten können Beispiele für psychische Gewalt sein:

  • Abwertendes Verhalten: Tatpersonen versuchen, sich durch wiederholtes abwertendes Verhalten selbst besser darzustellen. Zunächst äußert sich das möglicherweise in Form von Kritik, Spott oder Belustigung über Kleidung oder Verhalten. Doch rasch entwickelt es sich weiter zu gravierenden Beleidigungen der betroffenen Person selbst, wie zu der ausgeübten Arbeit, Lebensweise oder Interaktion mit anderen. Betroffene kommen immer mehr zu der Überzeugung, dass es ihnen unmöglich ist, etwas richtig zu machen. 

  • Ignorieren, Nichtbeachten und Schweigen: Tatpersonen versuchen, durch Ignorieren, Nichtbeachten und Schweigen die Betroffenen zu manipulieren. Die betroffene Person fühlt sich schuldig, ohne zu wissen, was genau falsch gelaufen ist. In manchen Fällen spielen die Tatpersonen bewusst die Rolle des Opfers und legen den Betroffenen durch Schuldzuweisungen die Verantwortung für die Situation auf.

  • Gaslighting: Gaslighting ist eine Form psychischer Gewalt, bei der Tatpersonen Betroffene dazu bringen, an der eigenen Wahrnehmung und Urteilsfähigkeit zu zweifeln. Dies geschieht unter anderem dadurch, dass falsche Darstellungen von Erinnerungen erfolgen oder Ereignisse konstruiert werden – dadurch kann bei den Betroffenen viel Unsicherheit und Selbstzweifel entstehen. 

  • Abschotten: Abschotten erfolgt meist in Partnerschaften und dient Tatpersonen, Betroffene von Freunden, Verwandten und der Familie zu isolieren. Anrufe oder Einladungen werden absichtlich nicht weitergeleitet, Verabredungen gezielt boykottiert, oder das Umfeld von Betroffenen wird in Verruf gebracht. Abgeschottet von der Außenwelt, hat die betroffene Person keine Gelegenheit, über das Erlebte zu reden und von anderen ermutigt zu werden, sich aus dieser Beziehung zu befreien.

  • Drohungen und Erpressungen: Drohungen und Erpressungen können Betroffene an die Tatperson binden, und dienen der Tatperson als Druckmittel. Starke Druckmittel sind zum Beispiel gemeinsame Kinder: Die Furcht, sie zu verlieren, dass ihnen etwas zustoßen könnte oder dass sie die psychischen Gewaltformen mit ansehen müssen, lastet schwer auf den Betroffenen.

  • Passiv-aggressives Verhalten: Passiv-aggressives Verhalten zeigt sich als Ausdruck von z.B. Frustration, schlechter Laune und latenten Konflikten: Die Tatperson verunsichert mit Sticheleien, Sarkasmus und Spott und lässt die betroffene Person glauben, einen Fehler begangen zu haben.

  • Stalking: Stalking tritt meistens außerhalb von Beziehungen auf, kann sich aber auch innerhalb von Partnerschaften als Form psychischer Gewalt zeigen. Die Tatperson bringt die betroffene Person dazu, Kontakt aufzunehmen – sei es über Telefonate, Briefe, E-Mails oder soziale Netzwerke. 

 

Welche Spuren hinterlässt psychische Gewalt unter anderem bei betroffenen Personen?

  • Gefühl fremdbestimmt zu sein

  • kann Spirale der Abhängigkeit schaffen

  • psychische und körperliche Belastungsreaktionen

  • Auswirkungen auf Selbstwahrnehmung und Selbstwertgefühl

  • Gefährdung der psychischen und physischen Gesundheit, bis hin zu Suizidgedanken


Mögliche Folgen sind:

  • Schlafstörungen

  • Ängste 

  • Panikattacken

  • Befürchtungen in die Zukunft gerichtet, wie z. B. vor Verfolgung

  • Selbstzweifel

  • Depressionen

  • Essstörungen

  • Selbstmordgedanken


Psychische Gewalt kann auch zu Traumafolgen führen. Es ist wichtig, hier Aussagen im eigenen Umfeld von betroffenen Personen ernst zu nehmen und sich professionelle Hilfe zu suchen. Sobald Betroffene die Hürde überwinden, um Kontakt mit anderen sowie professionelle Unterstützung wahrzunehmen, liegt bereits ein langer Leidensweg hinter ihnen. Daher ist es auch wichtig, eigene Beobachtungen anzusprechen und betroffene Menschen zu ermutigen, sich professionelle Hilfe zu nehmen. Im professionellen Rahmen kann zunächst zur Stabilisierung beigetragen werden. Zudem kann auf Möglichkeiten und Rechte hingewiesen sowie auf weitere Anlaufstellen aufmerksam gemacht werden, die Unterstützung bieten können. Der Austausch in einem sicheren und vertraulichen Rahmen hilft zunächst, Orientierung zu finden – sowohl für betroffene Personen als auch für Menschen, die sich Sorgen machen, dass jemand in ihrem Umfeld von Gewalt betroffen sein könnte.

Wir von INSITE-Interventions haben ein vielfältiges Angebot, um betroffenen Personen Unterstützung über unsere Beratung talingoEAP, meinEAP und der Sprechstunde anzubieten. 


Weitere Anlaufstellen mit Rufnummern:

  • Polizei über den Notruf 110
  • Örtliche Frauenhäuser (zu erfragen über die Koordinierungsstelle) unter der Telefonnummer 030 338 43 42-0
  • Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter der Telefonnummer 08000 116 016
  • Das Männerhilfetelefon (nur in manchen Bundesländern) unter der Telefonnummer 0800 123 9900
  • Außenstellen des Opfer-Telefons „Weißer Ring“ unter der Telefonnummer 116 006
  • Verein „Nummer gegen Kummer e. V.“ für Kinder und Jugendliche unter der Telefonnummer 116 111

 

* (Quelle: BMI. (2026. 10. Februar). Dunkelfeldstudie LeSuBiA zeigt: Weniger als zehn Prozent der Gewalterfahrungen werden angezeigt. Bundesministerium für Inneres. https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2026/02/lesubia.html.)