Zum Weltkindertag: Kinder stärken, Eltern entlasten


Den Satz „Kinder brauchen Wurzeln und Flügel“ kennen vermutlich viele und würden ihm wohl zustimmen. Wurzeln entstehen dort, wo Kinder Sicherheit, Geborgenheit und verlässliche Beziehungen erleben. Ihre Flügel können sie ausbreiten, wenn sie ermutigt werden, sich auszuprobieren, Herausforderungen zu bewältigen und ihren eigenen Weg einzuschlagen. Doch wer Kindern Wurzeln geben möchte, braucht selbst einen stabilen Boden.

Der Weltkindertag am 20. September steht in diesem Jahr unter dem Motto „Starke Kinder, starke Zukunft!“[1] und richtet den Blick neben den Kinderrechten auch auf die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Unsere Kollegin Lotta Ludwig, Sozialpädagogin, M. A. und systemische Beraterin, bringt es auf den Punkt: „Kinder brauchen keine perfekten Eltern, aber Liebe, Geborgenheit, Zeit und Verlässlichkeit.“

Damit sind bereits wesentliche Schutzfaktoren für eine gesunde Entwicklung genannt. Im Familienalltag treffen diese Bedürfnisse jedoch auf eine Realität, die viele Eltern stark fordert und manche an ihre Grenzen bringt: Beruf, Kindererziehung, Familienorganisation, finanzielle Sorgen, gesellschaftliche Erwartungen und die Verunsicherung durch globale Krisen. Hinzu kommt der zunehmende Druck rund um Bildung und schulische Leistungen. Zuletzt erneut angefacht durch die Diskussion um die jüngsten PISA-Ergebnisse.

Die Studie „Eltern im Fokus 2025“ der Körber-Stiftung zeigt: 79 Prozent der befragten Eltern fühlen sich im Alltag belastet, 28 Prozent sogar stark. Gleichzeitig erleben mehr als 70 Prozent auch ihre Kinder als belastet – vor allem durch schulische Leistungsanforderungen und hohe Erwartungen an sich selbst.[2] 

Lotta Ludwig fasst zusammen: „Die mentale Gesundheit von Kindern lässt sich kaum losgelöst von der Situation ihrer Familien betrachten.“
 

Warnsignale ernst nehmen

Wenn Eltern und Kinder gleichermaßen unter Druck stehen, ist es umso wichtiger, Veränderungen früh wahrzunehmen. Hinweise auf eine anhaltende Überlastung können sein:

  • anhaltende Erschöpfung oder Schlafprobleme
  • zunehmende Gereiztheit und häufigere Konflikte in der Familie
  • das Gefühl, den Alltag kaum noch bewältigen zu können
  • fehlende Zeit für Erholung, eigene Interessen oder soziale Kontakte
  • das Empfinden, mit Sorgen und Verantwortung allein zu sein

Bleiben solche Signale über längere Zeit bestehen, kann sich chronischer Stress auf die körperliche und psychische Gesundheit, die Partnerschaft und das Familienklima auswirken. Auch die Fähigkeit, Kindern aufmerksam und geduldig zu begegnen, kann unter anhaltender Überlastung leiden. Wohl fast alle Eltern kennen Situationen, in denen ausgerechnet der eigene Nachwuchs sehr treffsicher das Fass zum Überlaufen bringt. Lotta Ludwig ermutigt daher: „Eltern müssen nicht immer ausgeglichen sein. Aber es ist wichtig, Belastungen nicht erst dann ernst zu nehmen, wenn gar nichts mehr geht.“
 

Entlastung kann sehr unterschiedlich aussehen:

  • Sorgen teilen: Gespräche mit vertrauten Menschen können emotional entlasten, neue Perspektiven eröffnen und das Gefühl verringern, mit einer Situation allein zu sein.
  • Verantwortung teilen: Unterstützung bei Kinderbetreuung oder Haushalt sowie eine partnerschaftliche Verteilung organisatorischer Aufgaben und der Sorgearbeit können den Alltag spürbar erleichtern.
  • Hilfsangebote kennen: Familien- und Erziehungsberatungsstellen sowie andere lokale Angebote bieten Orientierung. Gerade junge Eltern wünschen sich häufig mehr Informationen darüber, welche Unterstützungsmöglichkeiten verfügbar sind.
  • Professionelle Beratung nutzen: Wenn Belastungen anhalten oder die eigenen Bewältigungsstrategien nicht mehr ausreichen, kann psychosoziale Beratung helfen, Situationen zu sortieren, Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln und konkrete Entlastung zu schaffen.

Lotta Ludwig formuliert es so: „Wenn Eltern Unterstützung erhalten, profitieren nicht nur sie selbst. Entlastung wirkt sich häufig auf das gesamte Familiensystem aus.“
 

Wie INSITE unterstützt

Das EAP von INSITE unterstützt bei familiären Belastungen, Erziehungsfragen, Konflikten, Stress und Erschöpfung. Gemeinsam mit den Ratsuchenden werden Situationen sortiert, individuelle Lösungswege entwickelt und persönliche Ressourcen gestärkt. Bei Bedarf erfolgt zudem die Vermittlung an geeignete regionale Beratungs- und Unterstützungsangebote. So kann Beratung frühzeitig, niedrigschwellig und unkompliziert Entlastung schaffen.

Der Weltkindertag erinnert uns daran, was Kinder für eine gesunde Entwicklung brauchen: Sicherheit, Vertrauen, Verlässlichkeit, vor allem aber Menschen, die ihnen etwas zutrauen. Dann können sie Mut entwickeln, ihre Flügel auszubreiten und sich tragen zu lassen.
 


Quellen

[2] Körber-Stiftung. (2025). Eltern im Fokus 2025 – Alltag, Erziehung, globale Krisen. Wie stark stehen Eltern unter Druck? https://koerber-stiftung.de/projekte/elternumfrage/eltern-im-fokus-2025/ [Abruf 29.07.2026]