Wenn Menschen sich trauen zu sprechen

Geschäftsleute lachen, während sie an einem neuen Projekt in einem Büro mitarbeiten. Eine Gruppe von Geschäftsleuten, die einen Laptop benutzen, während sie in einem modernen Arbeitsbereich zusammenarbeiten.

Googles berühmte Studie zur Teamperformance „Project Aristotle“ kam zu einem überraschenden Ergebnis: Die erfolgreichsten Teams waren nicht die mit den klügsten Köpfen, den meisten Abschlüssen oder der höchsten Seniorität. Entscheidend war etwas anderes: psychologische Sicherheit. Also ein Arbeitsumfeld, in dem Menschen sich trauen, Unsicherheiten anzusprechen, Fragen zu stellen oder Fehler offen zuzugeben, ohne Angst vor negativer Bewertung oder Konsequenzen.

Die Erkenntnisse der Studie gelten heute als Meilenstein moderner Team- und Führungskultur. Google veröffentlichte die Ergebnisse erstmals 2015 im Rahmen der Plattform re:Work („Understand team effectiveness“, veröffentlicht 2015)

Nicht Fachwissen allein entscheidet darüber, wie erfolgreich Teams zusammenarbeiten, sondern vor allem das Gefühl von Sicherheit, also die Gewissheit, sich mit Fragen, Unsicherheiten oder Fehlern offen einbringen zu können.
 

Wenn Schweigen zur Normalität wird

Und dennoch erleben wir in Unternehmen täglich Situationen, in denen Mitarbeitende lieber schweigen, als etwas anzusprechen. Überforderung bleibt unausgesprochen, Konflikte werden vermieden, Fehler versteckt und Unsicherheiten überspielt. Selbst deutliche Rückzugstendenzen bleiben oft unbeachtet.

Nicht aus Desinteresse, sondern häufig aus Unsicherheit.

Genau darüber sprechen wir aktuell im Rahmen des Mental Health Awareness Month bei INSITE, unter anderem mit unserer Kollegin, Diplom-Psychologin, Mental-Health-Expertin, Trainerin und Coachin Latifa Baddour, die Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeitende in ihrer täglichen Praxis begleitet.
 

Mental Health Awareness reicht nicht aus

Die folgenden Gedanken und Beobachtungen stammen aus der praktischen Arbeit von Latifa Baddour mit Teams und Organisationen.

„Mental Health Awareness“ ist inzwischen in vielen Unternehmen angekommen. Es gibt Aktionstage, Kampagnen und steigende Aufmerksamkeit für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz.

Doch Awareness allein verändert noch keine Kultur.

Wie Latifa Baddour beschreibt, fehlt im entscheidenden Moment oft die Sicherheit im Handeln. Im Arbeitsalltag zeigt sich das häufig in ganz konkreten Situationen: Eine Kollegin zieht sich plötzlich zurück. Ein Gespräch fühlt sich schwierig an und wird lieber vermieden. Oder man merkt, dass jemand überfordert ist, möchte aber nichts falsch machen.
Dann passiert häufig nichts.

Gerade im Arbeitskontext entsteht daraus schnell eine Dynamik des Wegschauens. Nicht, weil Menschen nicht helfen wollen, sondern weil sie Angst haben, etwas Falsches zu sagen oder Situationen zu verschlimmern.
 

Every Action Counts: Kleine Handlungen mit großer Wirkung

Für Latifa Baddour steckt genau darin die zentrale Botschaft des diesjährigen Mottos vieler Mental-Health-Initiativen: „Every Action Counts“.

Im Unternehmensalltag bedeutet das vor allem: Wir brauchen weniger perfekte Antworten und mehr Menschen, die sich trauen, überhaupt etwas zu tun.

Denn psychologische Sicherheit entsteht nicht durch Leitbilder oder einmalige Kampagnen. Sie entsteht dort, wo Menschen erleben, dass jemand nachfragt, wirklich zuhört und Belastungen nicht ignoriert werden. Dort, wo Unsicherheiten offen angesprochen werden dürfen und niemand das Gefühl haben muss, mit Herausforderungen allein zu bleiben.

Dass psychologische Sicherheit direkte Auswirkungen auf Zusammenarbeit, Innovation und Teamleistung hat, belegen zahlreiche Studien. Besonders prägend sind die Forschungen von Amy Edmondson von der Harvard Business School. Bereits 1999 veröffentlichte sie ihre Studie „Psychological Safety and Learning Behavior in Work Teams“ im Fachjournal Administrative Science Quarterly.
Auch die Harvard Business Review griff das Thema erneut auf und veröffentlichte am 15. Februar 2023 den Beitrag „What Is Psychological Safety?“. Darin wird psychologische Sicherheit als die gemeinsame Überzeugung eines Teams beschrieben, dass zwischenmenschliche Risiken erlaubt sind – etwa Fragen zu stellen, Fehler anzusprechen oder Zweifel zu äußern. („What Is Psychological Safety?“, Harvard Business Review)
 

Was Unternehmen konkret tun können

Psychologische Sicherheit entsteht nicht zufällig, sie braucht Strukturen, Sprache und Menschen, die hinschauen.

In der Arbeit von INSITE zeigt sich, wie sich genau das entwickeln kann: 

  • durch mentale Ersthelfende, die ansprechbar sind, wenn andere es nicht sind
  • durch Konfliktlots:innen, die früh hinschauen, bevor Situationen eskalieren
  • durch gezielte Arbeit an psychologischer Sicherheit in Teams und Führungskulturen und
  • durch Trainings, die Menschen Sicherheit im Umgang mit schwierigen Gesprächen geben.

Dabei entsteht keine „perfekte Unternehmenskultur“. Aber eine Kultur, in der mehr möglich wird. Menschen sprechen Dinge früher an. Sie hören einander wirklich zu. Und sie erleben, dass Belastungen nicht isolieren müssen.

Und genau dort beginnt mentale Gesundheit im Unternehmen.

Nicht im Leitbild.
Nicht in Kampagnen.
Sondern im nächsten Gespräch.
 

Wer psychologische Sicherheit stärkt, schafft die Grundlage für gesunde, leistungsfähige Teams. INSITE begleitet Unternehmen mit Trainings, Beratung und praxisnahen Lösungen rund um mentale Gesundheit und Zusammenarbeit. Gemeinsam finden wir heraus, was Ihr Unternehmen und Ihre Teams wirklich benötigen.

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