Gewalt am Arbeitsplatz ist kein Randthema. Sie betrifft Beschäftigte in nahezu allen Branchen, von Industrie und Handel über Verwaltung oder Bildung bis hin zum Gesundheits- und Sozialwesen. Jede Form, ob psychische, körperliche oder sexualisierte Gewalt, kann dabei schwerwiegende Folgen für Betroffene haben und das Arbeitsklima nachhaltig beeinträchtigen. Arbeitgeber sind zudem nach dem Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, die Arbeit so zu gestalten, dass Gefährdungen für Leben und Gesundheit der Beschäftigten möglichst vermieden werden. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen Verantwortung übernehmen und ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem Gewalt keinen Platz hat.
Denn Gewalt am Arbeitsplatz ist weit mehr als ein persönliches Schicksal einzelner Betroffener. Sie beeinflusst die Gesundheit und Motivation von Mitarbeitenden, das Miteinander im Team und letztlich auch den Erfolg einer Organisation. Eine offene Unternehmenskultur, klare Meldewege und professionelle Unterstützungsangebote sind deshalb wichtige Bausteine einer wirksamen Gewaltprävention.
Gewalt hat viele Gesichter
Wenn von Gewalt am Arbeitsplatz die Rede ist, denken viele zunächst an körperliche Übergriffe. Tatsächlich umfasst Gewalt jedoch deutlich mehr. Sie kann sich unter anderem äußern als:
- körperliche Gewalt, z.B. schubsen, treten, schlagen
- psychische Gewalt, etwa durch Beleidigungen, Einschüchterungen oder Mobbing
- sexualisierte Belästigung oder sexuelle Übergriffe
- diskriminierendes Verhalten aufgrund von Geschlecht, Herkunft, Alter oder anderen persönlichen Merkmalen
- digitale Gewalt, beispielsweise über Messenger oder soziale Medien
Für Betroffene können die Folgen gravierend sein. Neben akuten Belastungsreaktionen können langfristig psychische Erkrankungen, Schlafstörungen, Angstzustände oder ein Verlust des Vertrauens in das Arbeitsumfeld entstehen.
Kein Problem einzelner Berufsgruppen
Beschäftigte in vielen Arbeitsbereichen berichten von Beleidigungen, Bedrohungen, Mobbing, Diskriminierung oder körperlichen Übergriffen. Je nach Branche unterscheiden sich zwar die Formen der Gewalt und die Risikofaktoren, gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie das Sicherheitsgefühl der Beschäftigten beeinträchtigen und psychische Belastungen verursachen können.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) weist beispielweise darauf hin, dass Beschäftigte in Krankenhäusern deutlich häufiger von Gewalt betroffen sind als viele andere Berufsgruppen. Vor allem Pflegekräfte erleben regelmäßig verbale Bedrohungen oder körperliche Übergriffe durch Patientinnen und Patienten oder deren Angehörige. Diese Zahlen verdeutlichen, wie ernst das Thema ist. Sie stehen zugleich stellvertretend für eine Entwicklung, die Unternehmen und Organisationen branchenübergreifend betrifft.
Wenn Gewalt im Verborgenen bleibt
Gewalt am Arbeitsplatz geht nicht ausschließlich von Kundinnen und Kunden, Patientinnen und Patienten oder anderen externen Personen aus. Auch innerhalb von Organisationen kommt es zu Grenzüberschreitungen, Machtmissbrauch oder sexualisierter Belästigung.
Aktuelle Untersuchungen aus dem Gesundheitswesen verdeutlichen, dass solche Vorfälle keine Einzelfälle sind und häufig im direkten Arbeitsumfeld stattfinden. In einer bundesweiten Umfrage des Marburger Bundes berichtete knapp die Hälfte der befragten Ärztinnen und Ärzte, innerhalb der vergangenen zwölf Monate Machtmissbrauch am Arbeitsplatz erlebt zu haben.
Viele Betroffene schweigen. Die Gründe dafür sind vielfältig:
- Angst vor beruflichen Nachteilen
- Unsicherheit, ob das Erlebte "schlimm genug" ist
- fehlendes Vertrauen in interne Meldewege
- Sorge, nicht ernst genommen zu werden
- Scham oder Loyalitätskonflikte
Dadurch bleiben viele Vorfälle im Verborgenen. Das erschwert nicht nur die Unterstützung der Betroffenen, sondern verhindert auch, dass Organisationen problematische Strukturen frühzeitig erkennen und verändern können.
Warum Organisationen sichere Meldewege brauchen
Gewaltprävention beginnt nicht erst dann, wenn ein Vorfall eskaliert, sondern mit einer Unternehmenskultur, die klar signalisiert, dass Gewalt nicht toleriert wird. Betroffene werden ernst genommen und Hilfe ist jederzeit möglich.
Damit dieses Signal glaubwürdig ist, benötigen Unternehmen funktionierende und vertrauenswürdige Meldewege. Denn selbst die beste Richtlinie hilft wenig, wenn Beschäftigte Hemmungen haben, sich an interne Ansprechpartner:innen zu wenden.
Gerade wenn Kolleginnen, Kollegen oder Führungskräfte beteiligt sind, wünschen sich viele Betroffene zunächst einen neutralen und unabhängigen Ansprechpartner. Eine externe Anlaufstelle kann hier eine entscheidende Lücke schließen.
Externe Anlaufstellen senken die Hemmschwelle
Viele Menschen möchten nach einer Gewalterfahrung zunächst keine formelle Beschwerde einreichen oder rechtliche Schritte einleiten. Sie wünschen sich vielmehr die Möglichkeit, das Erlebte in einem geschützten Rahmen zu schildern, ihre Situation einzuordnen und gemeinsam zu überlegen, welche nächsten Schritte sinnvoll sind.
Genau hier setzen externe Anlaufstellen an. Durch ihre Unabhängigkeit schaffen sie einen geschützten Raum, in dem Betroffene oder Beobachtende Vorfälle vertraulich und auf Wunsch auch anonym, schildern können. Dadurch sinkt die Hemmschwelle, Unterstützung frühzeitig in Anspruch zu nehmen.
Gleichzeitig profitieren auch Organisationen. Denn je früher Vorfälle bekannt werden, desto schneller können geeignete Maßnahmen eingeleitet und nachhaltige Präventionsstrategien entwickelt werden.
Die INSITE Anlaufstelle für Gewaltprävention
Ein solches Angebot umfasst die INSITE Anlaufstelle für Gewaltprävention. Wir unterstützen Unternehmen und Organisationen dabei, Gewalt frühzeitig zu erkennen, Betroffene professionell zu begleiten und Prävention nachhaltig zu stärken.
Unser Angebot richtet sich an Personen, die selbst Gewalt im Arbeitskontext erfahren oder beobachtet haben, ganz unabhängig davon, ob es sich um psychische, physische oder sexualisierte Gewalt handelt und unabhängig davon, von wem die Gewalt ausgeht.
Die Anlaufstelle bietet:
- eine vertrauliche und auf Wunsch anonyme Kontaktaufnahme
- eine professionelle psychologische Beratung durch erfahrene Expertinnen und Experten
- die anonymisierte Weitergabe relevanter Informationen an die Organisation
- Unterstützung für den Arbeitgeber bei der Entwicklung geeigneter Maßnahmen und Präventionsprogramme
Der Ablauf ist dabei bewusst einfach gestaltet. Beschäftigte können sich nach einer eigenen Gewalterfahrung oder als Beobachtende an die Anlaufstelle wenden. Unsere Berater:innen nehmen die Informationen entgegen, bieten psychologische Unterstützung und besprechen gemeinsam mit der meldenden Person das weitere Vorgehen. Sofern gewünscht, werden die Informationen anonymisiert an die Organisation weitergegeben, ohne dass dabei Rückschlüsse auf die Identität der meldenden Person möglich sind. Die Organisation kann daraus sowohl akute Maßnahmen als auch langfristige Präventionsangebote ableiten.
Prävention bedeutet Verantwortung übernehmen
Gewaltprävention ist eine gemeinsame Aufgabe, das gilt unabhängig von Branche oder Unternehmensgröße. Organisationen können nicht jeden Vorfall verhindern, aber sie können entscheidend dazu beitragen, dass Beschäftigte Unterstützung erhalten, Vorfälle frühzeitig bekannt werden und Gewalt kein Tabuthema bleibt.
Eine vertrauensvolle Anlaufstelle zeigt Mitarbeitenden, dass ihre Sicherheit ernst genommen wird, sie Gehör finden und auf Unterstützung vertrauen können. Davon profitieren alle Beteiligten. Mitarbeitende erleben Wertschätzung und Schutz, Führungskräfte erhalten frühzeitig Hinweise auf Handlungsbedarf und Organisationen stärken langfristig ihre Sicherheits- und Vertrauenskultur.
Mit einer externen Anlaufstelle für Gewaltprävention schafft INSITE einen geschützten, professionellen und vertrauensvollen Rahmen, in dem Betroffene Unterstützung finden und Unternehmen ihrer Verantwortung für ein sicheres Arbeitsumfeld gerecht werden können.
Sie haben Fragen oder möchten Unterstützung?
Wenn Sie mehr über die INSITE Anlaufstelle für Gewaltprävention erfahren möchten, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
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Quellen
- Deutsches Ärzteblatt (2025): Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung im Klinikalltag weit verbreitet, https://www.aerzteblatt.de/news/machtmissbrauch-und-sexuelle-belastigung-im-klinikalltag-weit-verbreitet-e015746d-f36e-4d98-a657-76a515571ddb (abgerufen ab 13.07.26)
- Deutsche Krankenhausgesellschaft (2024): Krankenhaus-Personal deutlich stärker von Gewalt betroffen, https://www.dkgev.de/fileadmin/Mediapool/1_DKG/1.7_Presse/1.7.1_Pressemitteilungen/2024/2024-04-17_PM_DKG_zu_Gewalt_im_Krankenhaus.pdf (abgerufen ab 13.07.26)