Schadet Resilienz?

Psychische Widerstandsfähigkeit auf dem Prüfstand

19.03.2018

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Allgemeines

Resilienz ist das Schlagwort, wenn es darum geht, wie man Krisen erfolgreich meistert. Die Fähigkeit, sich in schwierigen Zeiten zu behaupten kann allerdings auch dazu führen, dass wir in Situationen ausharren, die uns auf Dauer schädigen.

Die eigene Widerstandfähigkeit stärken - dieses Ziel verfolgen viele Menschen in der Hoffnung, sanfter durch schwierige Zeiten zu navigieren. Krisen werden bewältigt, indem auf Ressourcen zurückgegriffen wird. Ressourcen, die unter anderem in der Persönlichkeit verankert sind. Beispielsweise die Art, wie man mit Problemen umgeht: Man kann sich auf das Problem fixieren oder aber lösungsorientiert denken und handeln. Man kann Probleme mit sich selbst austragen oder seine Sorgen mit anderen teilen.

Das Umfeld spielt dabei ebenfalls eine große Rolle, beispielsweise ein gut funktionierendes und unterstützendes Familiensystem. Resilienz kann man wie einen Schutzpanzer betrachten, der uns durch schwierige Zeiten bringt.

Viele dieser Fähigkeiten der Problembewältigung haben wir uns in unserer Kindheit antrainiert. Wir haben gelernt, wie wir in herausfordernden Lebensverhältnissen, die wir nicht ändern können, bestehen und mit ihnen umgehen können. Als Kinder hatten wir nicht viele alternative Möglichkeiten, da wir von unseren Bezugspersonen abhängig waren. Dabei spielte es auch eine große Rolle, ob wir Vertrauen zu unserer Umwelt aufbauen und welche Verhaltensweisen wir von anderen abschauen konnten.

Ein Teil dieser Fähigkeiten hilft uns auch heute noch, mit schwierigen Phasen gut umzugehen. Andere haben wir später, in der Jugend und dem Erwachsenenalter dazugelernt. Aber weil die frühen Erfahrungen uns schon so lange begleiten, sind sie es, die unser Verhalten in schwierigen Situationen in erster Linie steuern.

Paradoxe Resilienz

Es gibt allerdings auch gelernte Verhaltensweisen, die uns in Konstellationen oder Situationen festhalten, aus denen wir eigentlich herauswollen. Dr. Petra Bock - Coach und Autorin - nennt es das Phänomen der paradoxen Resilienz.(1) Demnach haben wir Schutzstrategien entwickelt - Resilienz - die uns daran hindern, die notwendige Anfangsenergie zu entwickeln, um Dinge oder Situationen ändern zu können, die wir eigentlich ändern wollen. "Paradox wird sie dann, wenn wir unsere Fähigkeit zur Resilienz dazu nutzen, uns in Lebenssituationen zu halten und zu stabilisieren, die uns eigentlich nicht guttun. Sie schädigt unsere Lebensqualität, wenn wir immer wieder Gründe finden und Kraft aufwenden, das eigentlich Unhaltbare auszuhalten."(2)

Lebenslagencoaching

Genau hier setzt die EAP-Beratung an - ein externer Berater schaut sich gemeinsam mit dem Ratsuchenden an, in welcher Situation derjenige sich befindet, wo er hinmöchte, und welche Maßnahmen helfen, dieses Ziel zu erreichen. Veränderungen sind gerade mit externer Unterstützung einfacher möglich, da ein Berater ein Blick von außen auf die Situation werfen kann und diese unbefangener wahrnehmen und darstellen kann. Und das Phänomen der paradoxen Resilienz kann viel schneller entlarvt werden.

 

Quellen:
(1) https://www.facebook.com/Dr.PetraBock
(2) https://petrabock.de/newsletter/newsletter-januar-2018.html