Gegen die Stigmatisierung von Depressionen

Stars setzen sich für Aufklärung ein

26.01.2018

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Allgemeines

Michael Phelps ist mehrfacher Olympiasieger und sportlicher Superstar. Zuletzt hat er durch das Bekenntnis auf sich aufmerksam gemacht, an Depression erkrankt zu sein. Wichtige Worte, denn weiterhin ist viel Aufklärungsarbeit nötig, um die Entstigmatisierung weiter voran zu treiben. Auch die WHO produziert regelmäßig Clips um aufzuklären.

Auf einer Konferenz über mentale Gesundheit in Chicago hat der ehemalige Schwimmer und Olympionike Michael Phelps kürzlich über seine psychischen Probleme berichtet. Er erzählte von seinen schwierigen Zeiten, die ihm sogar den Lebensmut genommen hatten.

Scheinbar an den Höhepunkten seiner Karriere habe ihn die Depression immer wieder eingeholt. Nach außen hatte er alles erreicht, und dennoch sank er in ein tiefes Loch. Er beschreibt dies als Verlust eines Zieles, eines Antriebs.

Trotz Erfolg depressiv?

„Es gibt verschiedene Situationen, in denen man von Depressionen eingeholt werden kann. Im Fall von Michael Phelps klingt das zunächst paradox. Das Leben ist scheinbar perfekt. Aber mit dem Erreichen eines Ziels, geht eben dieses verloren. Wenn man wie Michael Phelps seit jungen Jahren auf nichts anderes fokussiert ist als der schnellste Schwimmer aller Zeiten zu werden, fragt man sich natürlich „Was jetzt?“, wenn man dieses Ziel erreicht hat. Ohne einen übergeordneten Lebenszweck sind Menschen kaum in der Lage sich eine positive Lebenseinstellung zu bewahren“, so Robert Zieringer, Psychologe und Kundenmanager bei INSITE, der sich intensiv mit der Forschung rund um das Thema psychische Gesundheit und Leistungsfähigkeit beschäftigt.

Der wissenschaftliche Grundstein dieser Forschung wurde 1979 von Aaron Antonovsky, dem Entwickler des Konzepts der Salutogenese gelegt. Sein Leben als sinnhaft und bedeutsam zu erleben, der sogenannte „Sense of Coherence“, wird darin als die zentrale Größe für psychische wie physische Gesundheit beschrieben. Menschen, die Ziel, Richtung und Sinn in ihrem Leben sehen sind weniger leicht aus der Bahn zu werfen – oder um es mit einem aktuellen Modewort zu sagen: sind resilienter.

Aufklärung weiter wichtig

Ist man bereits erkrankt ist eine Unterstützung durch Experten - Psychologen, Ärzte und Therapeuten - wichtig. Dies sagt auch Michael Phelps, der laut seinem Interview Anfang dieses Jahres bereut, nicht bereits zehn Jahre früher eine Therapie begonnen zu haben.

Aussagen wie diese von Weltstars wie Phelps führen dazu, dass das Thema in der Öffentlichkeit stärker debattiert wird und damit auch eine gewisse Entstigmatisierung der Betroffenen einhergeht. Und dadurch eine allgemeine Akzeptanz schafft, die Betroffenen hilft, aktiver mit dem Thema umzugehen und die Scham abzulegen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO veröffentlicht regelmäßig kurze Clips um zum Thema Depression zu informieren und aufzuklären - Betroffene, aber auch Angehörige und Freunde. Der Clip "I had a black dog" veranschaulicht, wie sehr Menschen, die unter einer Depression leiden in ihrem Alltag eingeschränkt sind. Typische eigene Verhaltensmuster und das Verhalten von nahestehenden Personen werden dargestellt und die Bedeutung für den Erkrankten klar herausgestellt.

Phelps, der seine sportliche Karriere beendet hat, setzt sich nun öffentlich als Botschafter gegen die Depression ein - und hat damit auch ein neues, sinngebendes, Ziel im Leben gefunden.

 

Links zu den Videos der Weltgesundheitsorganisation WHO (teilweise mit deutschen Untertiteln):

 

 

Quellen:

https://www.welt.de/sport/article172682687/Michael-Phelps-Ich-bin-dankbar-dass-ich-mich-nicht-umgebracht-habe.html
http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/michael-phelps-ueber-depressionen-schwimmstar-ist-froh-noch-zu-leben-a-1188935.html
https://www.youtube.com/user/who
http://www.peterbuessers.de/studium/salutogenese.pdf