Depression - das denkt Deutschland

Befragung offenbart starke Wissenslücken

30.11.2017

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Reports, Studien

Das "Deutschland-Barometer Depression" zeigt Einstellung und Wissen zu Depression in Deutschland. Auffallend sind hierbei Wissenslücken zu Ursachen und adäquate Behandlung. Eine weit verbreitete Annahme ist, dass Depression durch Charakterschwäche ausgelöst wird. Auch werden Stimmungsschwankungen umgangssprachlich oft als Depression bezeichnet. Hier ist Aufklärung zur besseren Unterstützung und Akzeptanzerhöhung gefordert.

"Depression? Reiß, Dich mal zusammen!" - Hinter dieser Aussage verbirgt sich die weitverbreitete Meinung, eine Depression würde durch Charakterschwäche ausgelöst. Wie die Stiftung Deutsche Depressionshilfe anhand einer repräsentativen Befragung von rund 2.000 Personen feststellten, werden Charakter und belastende Lebensursachen häufig als Ursache einer Depression überschätzt. Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, erklärt dazu: „Während der Depression nehmen Betroffene alles wie durch eine dunkle Brille wahr. Bestehende Probleme wie Partnerschaftskonflikte oder Arbeitsstress erscheinen vergrößert. Deshalb bewerten viele diese äußeren Faktoren über und gehen davon aus, dass die Depression dadurch ausgelöst wurde.“ Dabei werde noch immer außer Acht gelassen, dass es sich bei der Depression um eine medizinische Erkrankung handelt, die mit veränderten Stoffwechselprozessen im Gehirn einhergeht und deren Veranlagung in vielen Fällen vererbt wird.

Meinungen über Hilfsmittel

Schokolade oder Ratschläge wie „Reiß Dich mal zusammen!“ stellen nur wenig geeignete Maßnahmen zur effektiven Behandlung einer depressiven Erkrankung dar. Dies ist Betroffenen durchaus bewusst, in der allgemeinen Bevölkerung ist dieses Wissen jedoch noch nicht angekommen. Fast 80% der Befragten sehen einen Urlaub als geeignetes Mittel gegen die Erkrankung an.

Sowohl in der Bevölkerung, als auch unter Betroffenen wird allerdings die Behandlung durch Therapeuten und Ärzte als geeignetes Mittel anerkannt. Hierbei müssen Patienten oft lange Wartezeiten für eine Behandlung hinnehmen. Die Umstellung auf die Psychotherapeutische Sprechstunde ist ein erster Ansatz, um diese zu verkürzen. Aber auch ein Employee Assistance Programm (EAP) kann schnelle Hilfe ermöglichen und Wartezeiten drastisch reduzieren.

Nach Abklärung durch einen Arzt sollte professionell - beispielsweise durch eine Kombination von Medikamenten und Psychotherapie - an die Behandlung herangegangen werden. Interessant ist, dass ca. 80% aller Befragten, glauben dass Antidepressiva süchtig machen. Tatsache ist jedoch, dass diese nicht süchtig machen, sondern gezielt gegen die in einer Depression gestörten Funktionsabläufe im Gehirn wirken.

Subjektiv steigende Anzahl an Depressionskranken?

Eine weitere allgemeine Annahme ist, dass mittlerweile immer mehr Menschen an Depressionen erkranken, als es früher der Fall war. Betrachtet man die Fakten, wird dieser Anschein allerdings nicht bestätigt. Vielmehr ist es so, dass heute immer mehr Menschen mit ihren Problemen Hilfe suchen und so im Gesundheitssystem erfasst werden und es also keinen realen Anstieg der Zahl der Erkrankten zu beobachten gibt.

Die Bezeichnung "Depression" findet sich zunehmend in unserem alltäglichen Sprachgebrauch wieder und wird oftmals verwendet um nicht-krankhafte Zustände von Niedergeschlagenheit, Traurigkeit, um schlechte Stimmung oder „miese Tage“ zu beschreiben. Und nicht jeder Mensch, der „am Wochenende total unten und zu nichts zu gebrauchen“ war, leidet gleich unter einer depressiven Erkrankung, sondern erlebt die Aufs und Abs des normalen menschlichen Lebens.

Bei anhaltenden Symptomen von Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit, bei Verlust von Antrieb, sozialem Rückzug, Schuldgefühlen, Hoffnungslosigkeit oder Gedanken an den Tod oder daran, sich etwas anzutun, ist es jedoch immer ratsam, den Hausarzt oder einen Facharzt für Psychiatrie aufzusuchen und eine Behandlungsbedürftigkeit abklären zu lassen. Auch Notfallnummer wie die Telefonische Seelsorge (Telefonnummer: 0800 111 0 111) oder den Notruf unter 112 stehen jedem kostenfrei zur Verfügung.

 

 

Quellen:

Studienergebnisse Depression: So denkt Deutschland

https://www.deutsche-depressionshilfe.de